Publikation in der Reihe »Die Griechischen Christlichen Schriftsteller« vorgesehen.
Gelasios war Nachfolger des Euseb auf dem Bischofsstuhl von Kaisareia, und zugleich eiferte ihm auch als kirchlicher Schriftsteller nach. Eine „Kirchengeschichte“ aus seiner Feder ist bezeugt, doch nicht zur Gänze erhalten. Die Sammlung der erhaltenen Fragmente ist ein schwieriges Unternehmen, weil viele Fragen der Echtheitskritik umstritten sind. Zugleich ist es lohnend, weil Gelasios für viele Vorgänge des vierten Jahrhunderts eine wichtige Quelle ist. Dies gilt etwa für die beiden „Schlüsselgestalten“ Konstantin und Julian.
Publikation in der Reihe »Fontes Christiani« vorgesehen.
Rufin hat das epochemachende Kirchengeschichtswerk des Euseb von Kaisareia nicht nur ins Lateinische übersetzt, sondern auch mit einer Fortsetzung bis in seine eigene Zeit (Ende des vierten Jahrhunderts) versehen. Diese Fortsetzung ist erstens eine wichtige und häufig zitierte Quelle für viele kirchengeschichtliche Entwicklungen; zweitens stellt sie auch den Beginn einer fruchtbaren Tradition der kirchlichen Historiographie dar. Weil es sich nicht um ein eigenständiges Werk handelt, stand es bis jetzt immer ganz im Schatten des Euseb. Insbesondere hat es noch keine Übersetzung ins Deutsche erfahren. Meine Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, diesem Mangel abzuhelfen und zugleich durch eine knappe Kommentierung den Zugriff zum Text zu erleichtern. Die Einleitung soll den Forschungsstand resümieren und insbesondere in übersichtlicher Form das intrikate Problem des Verhältnisses zu Gelasios von Kaisareia erläutern.
Abgeschlossene Projekte
Publiziert 2012, in der Reihe "Die Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte", im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds.
Die Cesti des Iulius Africanus (3. Jh.) sind ein einzigartiges Zeugnis des Übergangs: Übergang von der hellenistischen zur spätantiken Kultur, von der paganen zur christlichen Wissenschaft, Schwelle zwischen Religion und Magie, zwischen Technik und Religion. In Fortsetzung der Arbeit an den Chronographiae wurden die erhaltenen Fragmente dieses Werkes neu ediert, übersetzt und erschlossen.
Publiziert 2007, in der Reihe "Die Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten Jahrhunderte", im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Mit der vorliegenden Edition wird eine über 100 Jahre alte Lücke geschlossen: die Chronographiae des Iulius Africanus (3. Jh.) gehörten zu den Schriften, die von Anfang an für das Editionsprogramm der „Griechischen Christlichen Schriftsteller der ersten drei Jahrhunderte“ vorgesehen waren. Der vorausgehenden Ausgabe von J. M. Routh (1814) gegenüber konnte das Material auf beinahe das Doppelte erweitert werden. Dies war möglich aufgrund inzwischen stark verbesserter Arbeitsinstrumente, der Einbeziehung orientalischer Materialien sowie einer eingehenden Analyse des chronologischen Systems von Africanus. Damit ist eine ganz neue Grundlage zur Erforschung des frühchristlichen Geschichtsdenkens sowie der Gedankenwelt der „Schwellenzeit“ des dritten Jahrhunderts im allgemeinen gegeben.
Rezensionen zu dem Tagungsband "Julius Africanus und die christliche Weltchronistik" (TU 157, Berlin 2006):
Publiziert 2007 in der Reihe "Quaderni della Rivista di Bizantinistica", herausgegeben vom Centro Italiano di Studi sull'Alto Medioevo (CISAM).
Bischof Johannes von Konstantinopel erfreut sich in der christlichen Kirche eines geradezu legendären Rufes. Er wird als Goldmund (Chrysostomos) gerühmt und als einer der größten Kirchenväter verehrt. Unter den Zeitgenossen jedoch war er sehr umstritten. Im Jahr 407 kam er unter ungeklärten Umständen im Exil ums Leben. Unmittelbar nach dem Eintreffen der Todesnachricht in Konstantinopel hielt ein glühender Anhänger eine Rede, in der er den verstorbenen Bischof in den höchsten Tönen rühmt und seine Gegner aufs schärfste verdammt. Dieser Text stellt eine der wichtigsten Quellen für die Vita des Kirchenvaters dar, doch ist er zuvor nie gedruckt worden. Die editio princeps macht den Text der wissenschaftlichen Welt zugänglich. Der Text ist mit einer italienischen Übersetzung von Cristina Ricci zum Chrysostomos-Jubiläum 2007 erschienen.
Monographie; publiziert 2001 in der Reihe »Jahrbuch für Antike und Christentum. Ergänzungsbände« (Aschendorff, Münster).
Christus als die »Sonne der Gerechtigkeit« zu besingen, ist der Kirche seit langem gute Tradition, obgleich die Bibel wenig Anhaltspunkte für eine solche christologische Titulatur bietet. Die Wurzeln dafür liegen vielmehr in der seit dem dritten Jahrhundert allgemein zu beobachtenden Tendenz zur »Solarisierung« der Religion. Auf unterschiedlichen Gebieten und in unterschiedlicher Weise reagierte das Christentum auf diese Tendenz: In der Liturgik (Interpretation des Osterfestes, Entstehung des Weihnachsfestes), im Gebetsleben (Deutung der Ostung), in der christlichen Kunst (Christus-Helios), im Staatsdenken (Sonnenfrömmigkeit Konstantins) und in der Dogmatik (christologische Aussagen). Eine genaue Untersuchung dieser Prozesse kann einerseits die Interaktion des Christentums mit der antiken Kultur an einem charakteristischen Punkt illustrieren, andererseits auch einen Beitrag zum Verständnis der inneren Strukturen des Christentums in einer prägenden Phase leisten.
Monographie; publiziert 1997 in der Reihe »Forschungen zur Kirchen- und Dogmengeschichte« (Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen).
Die berühmte Kirchengeschichte des Euseb hat Mitte des fünften Jahrhunderts verschiedene Fortsetzungen gefunden. Unter ihnen verdient die des Sokrates besonderes Interesse, weil sein Werk das älteste vollständig erhaltene seiner Art ist. Zum einen ist es eine der reichhaltigsten und zuverlässigsten Quellen für die prägende Epoche zwischen den Konzilen von Nikaia (325) und Ephesos (431). Zum anderen mußte Sokrates in konzeptioneller Hinsicht neue Wege gehen, da die Vorgaben des Euseb unter veränderten Zeitumständen vielfach nicht mehr brauchbar waren. Er mußte neue Antworten finden auf die Fragen, wie der Gegenstand, die Methode und das Ziel dieser Art der Geschichtsschreibung zu bestimmen sind. Diesen Themen geht die vorliegende Untersuchung nach. Dabei treten neue Erkenntnisse etwa über Sokrates' kirchlichen Hintergrund, sein Geschichtsverständnis oder seine Vorstellung vom Verhältnis zwischen Kirche und Staat zutage. Stärken und Schwächen seines Verfahrens werfen zugleich auch ein Licht auf die Konzeption des Euseb - und lassen bis heute aktuelle Fragen aufbrechen nach dem Status der Kirchengeschichte zwischen Theologie und Geschichtswissenschaft.
Letzte Änderungen am 30. März 2013.
Zurück zu Martin-Wallraff.de